Am Anfang steht der Code

Texturen aus Ton – programmiert, gedruckt, gebrannt.

Manche sehen das Ergebnis, das Produkt, die Skulptur im Marmor. Für mich ist es die Maschine, der Prozess, die Technologie. Ich erfinde den Weg und kenne das Ende nur vage. Der Antrieb ist es, mit dem Möglichen und dem noch nicht Erdachten zu gestalten. Es ist nie ganz klar, was dabei herauskommt, und es hört nie auf.

Am Anfang steht nicht die Skizze, nicht der Tonklumpen, sondern der Code. Meine Objekte werden programmiert: Grundform, Wandstärke, Höhe, und darüber eine Textur, definiert durch Tiefe, Dichte und Rhythmus. Jede Zeile beschreibt ein Stück Geometrie, und erst wenn das Programm läuft, entsteht die Form.

Der Algorithmus gestaltet: Schleifen, Parameter und Variablen bestimmen das Design. Eine Schleife wiederholt ein Element hundertfach, eine Variable sorgt dafür, dass es sich dabei Schritt für Schritt verändert. Lasse ich die Parameter der Textur über die Höhe oder den Umfang des Objekts wandern, entstehen repetitive Muster und Verläufe: Strukturen, die kaum spürbar beginnen, sich verdichten, an Tiefe gewinnen und wieder zurücknehmen. Ein geänderter Wert, ein neuer Durchlauf, und das Stück hat einen völlig anderen Charakter. Kein Objekt wird gezeichnet, es wird berechnet.

Mich erinnern diese Texturen immer ein wenig an Victor Vasarely und seine Op-Art: Bilder aus Mustern, die sich fließend verändern und so Räumlichkeit entstehen lassen. Bei Vasarely ist dieser Raum eine Täuschung auf der flachen Leinwand. Bei mir ist er echt.

Und am Ende ist alles selbst gemacht, in der digitalen und in der echten Welt: vom selbst programmierten Slicer, der die Designs für den Drucker aufbereitet – weil fertige Slicer das nicht können –, über die ideale Tonrezeptur, in langen Versuchsreihen ermittelt, bis zu den selbst gebauten Ton-Druckern. Danach geht es in die klassische Keramikwelt – Brennen, Glasieren, Brennen. Alles passiert lokal vor Ort in meiner Werkstatt in Frankfurt.

Besucht mich auf den Märkten – ich erzähle gerne, wie das alles funktioniert, und in der Regel wird vor Ort auch gedruckt.